| Einmal Shanghai und zurück |
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Samstag, 9. November 2013
Schlechte Luft in Shanghai
china girl, 14:49h
Dass die Luft nicht nur in einer auf ihre Außenwirkung sehr bedachten, aber sonst erstaunlich mittelmäßig organisierten Schule, sondern auch in der Stadt selbst sehr dick werden kann, zählt zu den Entdeckungen in dieser Woche, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Nur eingeschränkt konnte ich bisher den Sonnenschein und die behaglich-schwülen Temperaturen im Novembermonat genießen, in dem ihr bereits nur noch in Winterjacken und Handschuhen das Haus verlasst, denn der Versuch war stets begleitet von Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen. Es verwundert daher nicht, dass vom Aufenthalt im Freien und Sport jeglicher Art abgeraten wird.
![]() Heute müssen alle drinnenbleiben Zum Glück wird sich dank Jenny (wenn alles läuft wie geplant, und das ist hier selten der Fall) ab heute eine Ayi um meine Wohnung kümmern, sodass sich wenigstens der Aufenthalt in meiner Wohnung in Zukunft angenehmer gestalten wird. Es ist schwer zu glauben, dass Gao Ayi zweimal in der Woche je zwei Stunden lang für 400 RMB monatlich (umgerechnet 50 Euro) zu mir kommen wird, und ich fühle mich wie eine kapitalistische Ausbeuterin. Vor dem Hintergrund, dass die meisten Putzfrauen vom Land kommen, keine Aufenthaltsgenehmigung (genannt hùkǒu) in Shanghai haben, ihre Kinder hier daher nicht zur Schule gehen dürfen, sie sehr arm sind und sich ihr Leben ohne mich auch nicht verbessert, komme ich mir nicht mehr ganz so furchtbar schlecht vor. --- Im Übrigen bin ich sehr neugierig auf meine Kommunikation mit Gao Ayi, denn Jenny, die eine kleine Sprachschule hier betreibt, hat es in den letzten zwei Monaten geschafft, zwei Sprachkurse für mich zu organisieren und sie dann spontan und unter Angabe von mir nicht verständlichen Gründen wieder abzusagen. Ich hoffe, dass Gao Ayi nicht auch so schlecht organisiert ist. Ihr seht, dass das Wort Organisation in diesem Land eine andere Bedeutung bekommt, denn gefragt sind Spontanität, Flexibilität und Geduld. Und natürlich der Optimismus, dass schon alles klappen wird! Das hoffe ich auch für euch und sende euch meine besten Wünsche für eine weniger vernebelte Woche. Zhù nǐ hǎo yùn! ... link (3 Kommentare) ... comment Samstag, 19. Oktober 2013
Anzeige: Eltern von Singles gesucht!
china girl, 22:56h
Haben Sie ein Kind im heiratsfähigen Alter (20-35 Jahre), das noch nie im Stand der Ehe war? Reden Sie zwar täglich auf es ein, sich doch endlich einen würdigen Partner zu suchen, bleibt es weiterhin aber nur vor seinem Computer sitzen oder geht ausschließlich mit gleichgeschlechtlichen Freunden vor die Tür? Dann kommen Sie doch am Wochenende in den People's Park, wo Eltern in einer ähnlich misslichen Lage nur auf S I E warten!
![]() Und so geht's: 1. Lesen Sie die Aushänge auf den Regenschirmen und Papiertüten genau durch! Achten Sie dabei vor allem darauf, dass der vermeintliche Partner für Ihr Kind (a) nicht zu alt, (b) Eigentümer eines möglichst deutschen Automobils und (c) einer chinesischen Immobilie ist sowie (d) ein angemessenes Einkommen hat. Nehmen Sie sich ruhig Zeit zum Vergleichen und stellen Sie Fragen, denn das Angebot ist groß und Sie müssen sich ja nicht mit mangelhafter Ware zufrieden geben! 2. Verabreden Sie sich mit den zukünftigen Schwiegereltern und ihrem Sprössling in einem Restaurant! Bei einem gemeinsamen Essen der Familien können sich die Partner in spe besonders schnell gut kennen lernen. 3. Sollten Ihre Kinder trotz sorgfältiger Auswahl und gegenseitiger Sympathie der Eltern nicht der Hochzeit zustimmen, packen Sie einfach selbst Ihren Regenschirm, einen kurzen Lebenslauf Ihres Sohnes bzw. Ihrer Tochter, ein wenig Trockenobst und Nüsse ein und verbringen Sie einen sonnigen Sonntag im People's Park! Sie werden nicht lange allein sein! ... link (3 Kommentare) ... comment Freitag, 18. Oktober 2013
Ways Home (Part I)
china girl, 18:42h
![]() In meinem übernächtigten und geschundenen Zustand fällt mir die Vorstellung nur schwer, dass es noch etwas anderes im Leben geben kann als die Korrektur von Klassenarbeiten, Konferenzen, unnötige Elternabende und Mitteilungen an Erziehungsberechtigte, dass ihre hochbegabten Sprösslinge das sechste Mal in Folge die Hausaufgaben nicht gemacht haben. So ähnlich geht es jetzt wohl allen Lehrern unter euch. Aber mindestens einen schönen Moment erlebt jeder von uns selbst am härtesten Arbeitstag, nämlich den, wenn er vorübergehend wieder frei ist, wenn er auch wie hier nicht unbedingt frei atmen kann, - auf dem Nachhauseweg. Sicherlich (oder besser hoffentlich, denn dieser Artikel wird LANG) interessiert es den einen oder anderen unter euch, wie ich mich in dieser Multimillionenstadt (24 sind es genau) durch die Feierabend-Rush Hour schlage, aber da muss ich euch zunächst enttäuschen: Als Lehrerin bin ich natürlich schon vor dem Schlimmsten zu Hause! Auch wenn ich nie einen Sitzplatz in der Metro ergattere, so bleibe ich von klaustrophobischen Anfällen, wie ich sie an so manch einem Morgen erleide, wenn wieder 20 Personen mehr sich zeternd und krächzend durch einen Türeingang pressen als nur ansatzweise vorstellbar, am Nachmittag verschont. Da die U-Bahn von meiner Schule zu Fuß in 25 Minuten und auch mit dem Bus nicht unbedingt schneller erreichbar ist, weil es an der gewohnten Zuverlässigkeit (und allgemein an geregelten Abfahrtszeiten) mangelt, bringt mich meist ein Mitarbeiterbus, wie er sich in Shanghai größter Beliebtheit erfreut, direkt zu meiner sehr stark frequentierten U-Bahn-Linie Nr. 2. Heute möchte ich euch den angenehmsten Teil meines Heimweges vorstellen, den Fußweg von der Metro in die Julu Lu, der etwa 15 Minuten meines Tagesglücks ausmacht. Und so sieht es aus, wenn ich den Untergrund verlasse: ![]() Ihr habt sicher bemerkt, dass das Thema Baustelle sich auf den Bildern zu wiederholen beginnt, womit wir eine Gemeinsamkeit Shanghais mit Berlin gefunden hätten. In der Maoming Lu gibt es aber auch so einige Kuriositäten zu entdecken. Wer von euch erkennt, was man in diesem Laden erstehen kann? ![]() Nach kleinen Überraschungen dieser Art, auf die man hier nie gefasst sein kann, kommt der schwerste Teil auf mich zu: Die Überquerung der Yan'an Lu, die so viele Spuren hat, dass ich sogar beim Zählen durcheinander komme. Es handelt sich um schätzungsweise 16, wovon ich mindestens 11 unter Einsatz meines Lebens tagtäglich passiere. Seht nur selbst! ![]() Lasst euch von den Zebrastreifen bitte nicht täuschen: Vorbei sind die Zeiten, in denen ich beobachten konnte, wie sich Schweißperlen auf der Stirn des Berliner Autofahrers bildeten, wenn er aus der Ferne Fußgänger oder Fahrradfahrer erblickte, die sich einem Bordstein näherten. Rechtsabbieger genießen in diesem Land per se freie Fahrt und die (oft fälschlicherweise nur dem weiblichen Geschlecht zugeschriebene) räumliche Desorientiertheit der Fußgänger wird natürlich von aus SÄMTLICHEN Richtungen kommenden Fahrzeugen dreist ausgenutzt. So glücklich und dehydriert bin ich dann, wenn ich in meine geliebte und so hübsch klingende Julu Lu einbiege, dass ich mir vor Freude und Erleichterung direkt ein leckeres Mangoeis in dem Laden auf der rechten Seite kaufe: ![]() Ich widerstehe dem Drang, mir ein paar neue T-Shirts von den Wäscheleinen zu klauben oder in den vielen kleinen Bekleidungsläden zu erstehen, und marschiere meist gemütlich, mein Eis schleckend, an den auf der Straße wartenden Großeltern der Kinder von der Model School, die ich euch ja schon vorgestellt habe, vorbei, überwinde kurz vor meiner Haustür den Impuls, mir im benachbarten Kiosk doch noch ein Päckchen Zigaretten zu kaufen, um den Stress des Tages schneller bewältigen und die zu Hause auf mich wartende Arbeit länger ignorieren zu können, biege in den Durchgang zum Hinterhof (oder "Hintergang") meines Hauses ein und erklimme sportlich die vielen Treppen zu meiner Wohnung. (Waghalsig wird es bei einsetzender Dunkelheit - und das ist in diesem Land schon gegen 18 Uhr der Fall -, denn das ach so moderne Treppenhauslicht in meinem Hausflur geht meist erst NACH gemeistertem Treppenabsatz an.) Angekommen in meiner Wohnung ist des Glücks ein Ende, denn dort warten wieder die verhassten Klassenarbeiten und Elternmails auf mich. An Länge hätte ich mich heute dann auch selbst übertroffen, und wer es bis hierhin durchgehalten hat, der werde im Sinne der positiven Verstärkung, denn ich möchte euch als Leser nicht so bald verlieren, mit noch einem kleinen Schmankerl belohnt, einem Schnappschuss von den Eltern und Großeltern, wie sie vor der Schule in der Maoming Lu auf ihre Kinder warten, um sie dann zum Geigen- oder Nachhilfeunterricht zu bringen. ![]() Gelernt wird hier nämlich an jedem Tag und zu jeder Uhrzeit, ganz anders als in Deutschland, wo die Schüler schon über eine winzige Hausaufgabe jammern, die ihnen 5 Minuten von der Zeit für die nächste Staffel ihrer Lieblingsserie raubt. So auch an meiner Edelschule hier, denn so schnell ist ein deutsches Kind nicht zu bekehren. Interessant wäre der Versuch, deutsche Schüler nach einem Brückentag dann eben auch einmal am Sonntag in die Schule zu bestellen, wie hier üblich. Die Schulleitung wäre wohl vor diesem Sonntag schon abgesetzt. Als aufmerksame Beobachter habt ihr sicherlich registriert, dass das letzte Bild zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen wurde als die anderen und das Wetter schlagartig umgeschwungen ist. Ja, auch hier wird es richtig herbstlich, mit dem Unterschied, dass wir keine Zeit hatten, uns darauf einzustellen. ![]() Von ganzem Herzen wünsche ich mir für euch nun ein goldenes Herbstwochenende, an dem ihr an keinerlei sonntäglichen Versuchsprojekten teilzunehmen habt. ... link (1 Kommentar) ... comment Sonntag, 13. Oktober 2013
Wochenendmomentaufnahmen von einem exotischen Ort
china girl, 23:56h
Ich freue mich sehr, euch trotz des Klassenarbeitkor-rekturmarathons an diesem Wochenende noch ein paar wenige Stadtimpressionen präsentieren zu können. Wie, fragt ihr euch nun, hat sie es um alles in der Welt von der Couch noch nach draußen geschafft, obwohl zwei Stapel Klassenarbeiten auf ihrem Schreibtisch zur Berichtigung bereitliegen und Eltern in den Startlöchern stehen, nur darauf wartend, Beschwerde einlegen zu können? Nun, ganz einfach, ich habe einen demonstrativ, mir eine Ausrede für die nächste Woche überlegend, liegen gelassen und bin dafür mit meiner chinesischen Tandempartnerin Jane in einem benachbarten Park spazieren gegangen. Und so sieht es dort im Moment aus:
![]() Die märchenhafte Blütenpracht von den folgenden Bäumen wechselt je nach Jahreszeit sogar ihre Farbe. Im Sommer ist sie grasgrün. ![]() (Die Farben sind in Wirklichkeit noch viel kräftiger.) Abgelenkt von dem, was uns die Natur so an Farbenpracht präsentierte, haben wir dann leider eher wenig Chinesisch bzw. Deutsch gelernt. Allerdings habe ich noch Großartiges zu verkünden: Ich bin nun auch Ayi - zumindest für Janes dreijährige Tochter, die bisher nicht so recht mit mir reden wollte, mich beim gemeinsamen Familienessen am Samstag dann aber endlich mit zwei Worten bedacht hat (Nǐhǎo āyí)! Im ursprünglichen Sinne bedeutet Ayi nämlich nicht, wie bisher angenommen, Putzfrau, sondern allgemein Tante. Und dass ich stolz wie ein Pfau bin, ist wohl ein Zeichen dafür, dass ich langsam wirklich alt und meiner Rolle gerecht werde ;-) Bei einem Abendessen mit Lena, einer anderen chinesischen Bekannten von mir, habe ich heute wenig Überraschendes über das Bild von den Deutschen in China erfahren. Demzufolge zeichnet uns vor allem Folgendes aus: 1. Pünktlichkeit (und das, obwohl ich noch zu keinem Treffen rechtzeitig erschienen bin!), 2. Sauberkeit, 3. Präzision. Dass an der letzten Charaktereigenschaft tatsächlich etwas dran sein könnte, das mag man vermuten, wenn man deutsche mit chinesischen Handwerkstätigkeiten vergleicht, wie ich sie in früheren Einträgen bereits beschrieben habe. Interessant ist auch ein Blick auf die Arbeit an chinesischen Baustellen, die ich für euch in schlechter Handykameraqualität einfangen konnte: ![]() Hier zu sehen ist der Abbau eines Gerüsts nach Beendigung der EINwöchigen Renovierungsarbeiten. (Will gut Ding doch Weile haben?) Allerdings wird in China auch bis spät in die Nacht geschuftet: ![]() Zu guter Letzt hoffe ich, dass ihr mit ebenso viel Motivation und Durchhaltekraft, aber größerem Willen zur Genauigkeit in die nächste Woche startet, gegebenenfalls aber auch die Arbeit einfach einmal Arbeit sein lasst und eure Zeit genießt! ... link (2 Kommentare) ... comment Dienstag, 8. Oktober 2013
Vermisstenmail
china girl, 19:36h
![]() Trotz der vielen kleinen und großen Abenteuer, der größtenteils sehr netten Arbeitskollegen und kleinen Lerngruppen hier in China komme ich um das Gefühl, etwas zu vermissen, doch wieder nicht herum. Aber was fehlt an einem so aufregenden Ort eigentlich? Ganz sicher * meine Freunde und Familie, * regelmäßiger und unkomplizierter Email-Verkehr mit allen, der nicht geblockt wird, * Schlangestehen, ohne dass sich dann doch jeder vordrängelt, * Menschen, die sich entschuldigen, wenn sie anderen auf die Füße treten, * Schuhe in Größe 40, * Türklingel und Sprechanlage, * Regentage ohne Wasserlachen und Deckenschäden in Innenräumen, * allgemein ordentliche Reparaturen, die länger halten als wenige Wochen, * schnelles Einkaufen auf dem Nachhauseweg, * Vollkornbrot und Käsebrot ohne Zuckerrand, * Sprudelwasser, * rote Ampeln für Rechtsabbieger und überhaupt die Sicherheit im Straßenverkehr (z. B. Anschnallgurte), * praktische Schreibwaren ohne Hello Kitty-Aufdruck (z. B. normale Briefumschläge oder Textmarker), * Kleider aus Baumwolle, * erschwingliche, gut riechende Hygieneprodukte, * Toiletten, die durch Toilettenpapier nicht sofort verstopft werden, * die Weddinger Eltern, die ich nur zwei Mal im Jahr zu Gesicht bekommen habe. (Fortsetzung folgt) ![]() Das Barbarossa am People's Square, eine Bar für Expats und reiche Chinesen Und weil ich nicht glauben konnte, dass es in dieser großen Stadt gar kein vernünftiges Brot geben soll, habe ich mir sogleich bei einer deutschen Bäckerei für umgerechnet fünf Euro ein hoffentlich richtiges Brot bestellt, das mir morgen um sechs an meine Wohnungstür geliefert wird. Demnächst folgt dann eine Liste der Dinge aus der Servicewüste Deutschland, die ich leichter entbehren kann als gedacht. Seid gespannt auf meine Erklärung für das hier selten genossene Feierabendbier (ein Hinweis ist in diesem Beitrag versteckt) und denkt an mich, wenn ihr in euer nächstes Vollkornbrot beißt! Xiàcìjiàn! ... link (2 Kommentare) ... comment Sonntag, 25. August 2013
拐骗 oder erste deutsch-chinesische Bande
china girl, 12:33h
Nach Überwindung des ersten Jetlags machten wir uns am zweiten Tag nach unserer Anreise auf den Weg, die touristischen Orte der Stadt zu erkunden. Auf dem Programm standen vor allem The Bund in Puxi und Yuyuan Garden, eine grüne Insel inmitten der geschäftigen Stadt. (Wenn hier von Puxi gesprochen wird, sind die Stadtviertel westlich des Huangpu-Flusses gemeint, während Pudong die östliche Seite bezeichnet, die die neueren Stadtviertel Shanghais umfasst.)
Aussicht auf Lujiazui in Pudong von The Bund aus ![]() Die erste Gelegenheit, mein erlerntes Chinesisch auszuprobieren, bekam ich auf dem den Garten umgebenden Markt. Bei dem Versuch, ein Knäuel Wolle zu erstehen, lachte mich ein kleines Mädchen von vielleicht sieben Jahren jedoch so lauthals aus, dass ich freiwillig die Flucht ergriff. Meine Frustration darüber hielt aber nicht lange an, da die Schlussfolgerung nahe lag, dass das Einkaufen kleiner Mengen hier wohl ungewöhnlich sei. Immerhin hatte ich mich ja erfolgreich verständlich gemacht! Yuyuan Garden ![]() Nachdem wir uns drei Stunden lang durch die schwelgende Hitze der Stadt gewälzt hatten, erschien uns ein Stück schattige Mauer an einer vierspurigen Kreuzung als rettende Oase. Doch auch vor dieser, so mussten wir feststellen, machte die feucht-schwüle Wärme der Stadt nicht halt, und wir entschlossen, zurück in die angenehm klimatisierte Wohnung zu fahren. Bevor wir die erste Kreuzung überqueren konnten, wurden wir von drei Chinesen angesprochen und gebeten, ein Foto von ihnen zu machen. Sie sprachen ein ungewöhnlich gutes Englisch, bedankten sich freundlich und kamen mit uns ins Gespräch. Die drei seien zu Besuch in Shanghai und studierten in einer Stadt im Norden Chinas. Ihr Freund habe ihnen den Besuch eines Teefestes, das von einer chinesischen Minderheitengruppe einmal im Jahr veranstaltet werde und in der Nähe stattfinde, empfohlen. Nach kurzer Überlegung luden sie uns dazu ein. Sie führten uns zu einer kleinen Teestube um die Ecke, in der wir einen eigenen Raum zugewiesen bekamen. Ein junges, traditionell gekleidetes Mädchen führte uns die Rituale des Teekochens und -trinkens vor, die weitaus komplexer sind, als einen Teebeutel acht Minuten lang in heißes Wasser zu halten, und häufig symbolische Bedeutung haben. Dies alles wurde uns ausführlich und humorvoll von unseren neuen chinesischen Freunden erläutert. Wir fühlten uns sehr freundlich aufgenommen und genossen die Teezeremonie in der klimatisierten Stube. Als sie dem Ende zuging, waren wir fast ein wenig traurig. Wir tauschten mit den dreien Email-Adressen aus und machten uns an die Bezahlung der Rechnung von 700 Yuan. Mir kam der Betrag von fast 100 € für die Verkostung von wenigen Schnapsgläsern Tee recht hoch vor, unsere Bekanntschaft erklärte uns aber recht ausführlich, wie dieser Betrag zu Stande komme. Als wir 700 Yuan bezahlt hatten, wurde uns mitgeteilt, dass das nur die Kosten für einen von uns beiden decke! Die Situation wurde unangenehm, ich hatte Zweifel an der Höhe des Betrages, andererseits hatten die drei uns so freundlich empfangen und selbst so viel gezahlt, dass mir mein Widerstand plötzlich sehr unhöflich erschien. Wir verließen gemeinsam die Teestube, die drei begleiteten uns zur nächsten Kreuzung, gaben uns noch ein paar Tipps und machten sich auf den Weg zu ihrem Freund. Als wir weiter Richtung U-Bahn liefen, nahm das Gefühl, das ich in der Teestube schon gehabt hatte, immer mehr Raum ein, nämlich - ihr könnt es euch schon denken - dass wir Opfer von Trickbetrügern geworden waren. Man hatte von solchen Gaunereien ja schon im Fernsehen gehört und sich immer gefragt, wie Leute auf solche Schwindler hereinfallen konnten. Die drei hatten uns einfach im richtigen Moment erwischt! - Kaum zu Hause angekommen, recherchierten wir den Vorfall im Internet - und siehe da, in vielen Formen berichteten Reisende über den Shanghai Tea Scam! - Natürlich haben wir nie eine Email von den dreien erhalten... ... link (4 Kommentare) ... comment |
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Letzte Aktualisierung: 2015.08.12, 02:06 status
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Seid gegrüßt, ihr treuen Leser meines vernachlässigten... by china girl (2015.07.16, 16:00) |
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