| Einmal Shanghai und zurück |
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Montag, 5. Mai 2014
Lebenszeichen der landeskundSTlichen Art
china girl, 20:14h
![]() Ja, das bin ich! Die zwischen den unerzogenen Schulkindern, die so glücklich Grinsende, die die Stadt bis Ferienbeginn noch nicht ganz verschluckt, sondern wieder ausgespuckt und in den Yunnan entlassen hat, um sie gleich nach Ankunft wieder geräuschvoll einzusaugen. Und das gleich an einem Sonntag, wer hätte das gedacht, dass man da im Chinesischen Pavillon auf dem Expo-Gelände den lärmenden und kämpferisch wütenden Schulgruppen nicht entkommen kann, die den Bewohnern des Hauses in der Julu Lu schon so manch mittägliche Ruhe rauben, und nicht nur das, auch sämtliche Kunstwerke zurücklassen, als wären sie Dekoobjekte aus Plastik, denen Angriffe mit Trinkflaschenschwertern und Rucksackschildern nichts zuleide tun, da sie ihren Zweck nach einem Jahr mehr als erfüllt haben. Aber ja, ich hatte natürlich nicht bedacht, dass jeder außerordentliche Ferientag unter der Woche an einem Tag am Wochenende nachgeholt werden muss, und der letzte Sonntag so ein ganz normaler Schul- bzw. Arbeitstag war, an dem die jugendliche Meute auf das Expogelände losgelassen wurde, das zugegeben an sich schon recht imposant ist, Kultur hin oder her, schließlich liebt man Gebäude der überdimensionalen Art. ![]() Nach der anfänglichen Verwirrung konnte ich mich voll und ganz der großen Ausstellung widmen, die Vincent und ich bereits vor acht Monaten einmal besucht, allerdings in einem solchen Eiltempo durchschritten hatten, dass wir am Ende zu dem Schluss kamen, es wäre wirklich interessant, sich die Kunstwerke einmal genauer anzusehen, selbstverständlich ohne Begleiter, denen jegliches Interesse an Malerei völlig abgeht und die nur aus Höflichkeit ihren ausländischen Bekannten gegenüber einen Ausflug ins Museum unternehmen. Immerhin gab es tatsächlich statt Vasen und Jadeskulpturen das eine oder andere Gemälde zu bewundern. ![]() ![]() Ich als Geschichtsanalphabetin wurde dabei einmal wieder auf die Frage der chinesisch-japanischen Beziehungen gestoßen, die mich schon während meines Urlaubs beschäftigte. Sicher ist das, was so propagandistisch anmutet, für viele Chinesen weiterhin eine Herzensangelegenheit, denn man kann die Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs, die Japaner an Chinesen verübten, nicht vergessen. Besonders dann nicht, wenn diese schlicht verleugnet zu werden scheinen, obwohl sie in den Erzählungen der vielen Zeitzeugen und ihrer Enkelkinder noch weiterleben. Am Ende bin ich wieder nicht nur über dieses Land erstaunt, sondern auch über mich selbst, die in ihrer westlich-überheblichen Art meint, durch die Medien viel besser aufgeklärt zu sein als die Leute hier, aber schon in diesem Glauben manipuliert ist, denn freie Geister gibt es trotz allem mehr, als ich erwartet hatte. (Dies ist sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, dass wir es mit der hier üblichen Form von Propaganda zu tun haben. Ich sollte euch mit meinen Abschweifungen nicht so verwirren.) ![]() Sicher bin ich mir der Tatsache, dass ich von vielen von euch mittlerweile nun schon länger nichts mehr gehört habe, und ich hoffe, dass ihr nicht untergetaucht seid und mir bald ein Lebenszeichen senden werdet. Versprochen, auch mein Yunnanbericht folgt bald! ... link (0 Kommentare) ... comment Montag, 7. April 2014
Die Welt am Sonntag in Shanghai
china girl, 15:51h
Da an diesem Wochenende in China Gräbertag war, habe ich einen Tag länger Zeit, mich auf meiner Couch voll und ganz der Arbeit zu widmen, denn auf meinem Schreibtisch türmen sich wie gewohnt die Klassenarbeiten, nun ergänzt durch die wenig aussagekräftigen, aber korrekturaufwendigen Kompetenztests des Landes Thüringen. Eine Ausnahme sollte der Zoobesuch am gestrigen Tag darstellen, allerdings wurde der Plan wenig überraschend vereitelt:
![]() Eine blöde Idee, an einem Feiertagswochenende einen Ausflug zu planen Zur Bedeutung des Gräbertages für die Menschen hier und zur Erklärung dessen, dass die meisten Chinesen anscheinend doch nicht ihre Zeit auf dem Friedhof verbringen, sondern lieber im (oder besser vorm) Shanghaier Zoo, habe ich im Internet sehr wenig gefunden. Allgemein ist es wohl Tradition, an diesem Tag die Gräber der Ahnen zu besuchen, ihnen verschiedene Speisen darzubringen und dabei ihrer zu gedenken. Was sich so schön anhört, ist in der Realität allerdings schwer umsetzbar: Erstens werden in China mittlerweile die meisten Verstorbenen eingeäschert und ihre Überreste über dem Meer verstreut, zweitens wohnen seit der Verstädterung hier viele nicht mehr in der Nähe ihres Geburtsortes und müssen sehr große Anstrengungen auf sich nehmen, um ihre Familien zu besuchen. Sicher erklärt das auch, weshalb Lena und ich zu Plan B greifen und einige Runden im idyllischen, weil unbekannten Xinhongqiao-Park drehen mussten. ![]() Eine gute Idee, einen Nachbarschaftspark aufzusuchen, da so viele in den Zoo gehen Natürlich kann man den Menschen hier nun wirklich nicht vorwerfen, ihre Familienpflichten zu vernachlässigen. So scheinen einige Chinesen sogar Professionelle anzuheuern, die an ihrer Stelle die Grabstätten der Vorfahren aufsuchen und dort für sie trauern, damit neue Arbeitsplätze zu schaffen und aus der Not eine Tugend zu machen - wohl ein klassischer Fall von "andere Länder, andere Sitten". Bis zum nächsten Mal! Zàijiàn! ... link (3 Kommentare) ... comment Samstag, 5. April 2014
Wie viele Jings braucht ein Land?
china girl, 23:13h
Nǐmenhǎo wàiguórén,
obwohl ich in der Zwischenzeit ganz aus der Übung gekommen bin, sehe ich ein, dass es langsam nötig ist, mich einmal wieder in einer Zusammenfassung meiner Erlebnisse zu versuchen. Selbstverständlich habe ich an euch gedacht und während des Besuchs von Hanna einiges an Material für euch gesammelt, sodass ihr mir nur verzeihen müsst, dass ich aus Gründen der Ökonomie einige Geschichten aussparen und nicht erläutern werde, wie ich am selben Abend meine Rippen prellte und mein Handy verlor oder wir trotz schlechter Planung und geringer Sprachkenntnisse einen Bus in die beschauliche Wasserstadt Tongli nahmen, ungeachtet des Staus pünktlich ankamen und die Abfahrtsstelle des Busses am Abend wiederfanden, obwohl der Fernbahnhof Tonglis nicht an dem Ort war, an dem die Fahrgäste tatsächlich wieder eingesammelt wurden. Viel interessanter erscheint es mir, euch heute ein paar wertvolle Tipps für euren zu planenden Ausflug nach Peking mitzugeben, die ihr so in keinem Reiseführer entdecken werdet. Vielleicht findet ihr dabei ja auch heraus, wofür ich das Wort "Jing" in diesem Eintrag (fast) zweckentfremdet habe. ![]() Der erste Hinweis auf des Rätsels Lösung Zunächst einmal solltet ihr euch vor Reiseantritt darauf einstellen, dass in einem Land, in dem alle so schlecht organisiert erscheinen, doch erstaunlich viel Organisationstalent vorausgesetzt wird. Bitte bucht eure Zugfahrkarte also rechtzeitig, auch wenn online noch viele Tickets verfügbar sein sollten. Dazu benötigt ihr: gute Recherchekenntnisse, ein funktionierendes Übersetzungsprogramm (solltet ihr keine Schriftzeichen lesen können, und hey, ich kenne euch doch), eure Reisepässe, denn schließlich sollte euer Aufenthaltsort stets bekannt sein, und ein wenig Geduld im Reisebüro. Sollte euch dies alles zu anstrengend sein oder ihr doch so manches Dokument im relevanten Moment vergessen haben, sei euch geraten, die Konsequenzen würdevoll zu tragen, die wären: lange Warteschlangen, in denen ihr eure Körpermasse den Überholmanövern der Zeitgenossen entgegenstemmen müsst, ein späterer und langsamerer Zug, eine halbstündige Taxischlange (in Shanghai wenigstens mit Unterhaltungsprogramm wie flüchtenden Taximittelsmännern und kleineren Rangeleien um die Plätze) sowie falsch ausgestellte Zugfahrkarten, die euch in eurer Planung zeitlich zurückschlagen, wiederum Verhandlungen mit dem Servicepersonal nötig machen, dieses Mal aber im unabdingbaren Aufregungsmodus, und wieder Taxischlangen zur Folge haben könnten. Aber keine Sorge, auch wenn ihr viele Hindernisse überwinden müsst, werdet ihr schon an eurem Ziel ankommen. ![]() Und der zweite Als nächstes sei euch angeraten, euch nicht von den verschiedenen Warnungen eurer Kollegen oder der Nachrichtenerstattung in den Medien verunsichern zu lassen. Ja, es gibt Peking mit ein wenig Glück auch ohne Smog, dafür dann mit einer Extraportion Charme. Solltet ihr aufgrund mangelhafter Vorbereitung nur einen Tag Zeit haben, empfehle ich euch das Folgende: Wandelt ohne Vorurteile durch die beschaulichen Gassen der Pekinger Altstadt, genießt die in den Straßenküchen gegen ein wenig Chinesisch erhältlichen Snacks und Komplimente, lasst euch von der Hippheit der Jungen beeindrucken, kauft euch keine ihrer Schlangen oder Spinnen, genehmigt euch auf der Dachterrasse eines der vielen niedlichen Cafés ein koffeinhaltiges Getränk, bewundert die traditionellen Hutong-Häuser und unzähligen öffentlichen Toiletten ohne Privatsphäre und schließlich die eine oder andere barocke Musikeinlage der Einheimischen in einer der vielen Bars. Am besten schließt ihr bei einem Wochenendausflug die bekannteren Sehenswürdigkeiten von vornherein aus, sich an einem Sonntagmittag auf den Platz des Himmlischen Friedens wagen zu wollen, ist sicherlich ein Anfängerfehler. Verschwendet auch nicht eure Zeit damit, euch dem Zauber der Altstadt zu entwinden, um die Neustadt zu erkunden. Vielleicht braucht ihr sie noch, um ein Taxi zu finden oder am Bahnhof unter Einsatz sämtlicher emotionaler Kräfte die für den falschen Zug ausgestellte Fahrkarte umzutauschen. ![]() Ist noch mehr Hilfe nötig? Vielleicht solltet ihr wissen, dass die Stadt Peking ihren Namen gleich mehreren Schöpfern verdankt, denn eigentlich meint Beijing nur "nördliche Hauptstadt". Nicht nur, dass die Stadt je nach Herrscher über die Jahrhunderte hinweg ihren Namen öfter wechselte als ich (hoffentlich) mein Handy, so hieß sie auch einmal wie die gleichnamige Stadt im Osten Chinas "Nanjing" (südliche Hauptstadt). Sicher ist, dass in einem Land, in dem regelmäßig Kaiser und Regime gestürzt wurden und sich die Grenzen stets verschoben, es keine so gute Idee war, die Hauptstadt nach ihrer jeweiligen geografischen Lage zu benennen. Ebenso wenig ist es wirklich ein Ausdruck davon, wie polyglott ihr seid, wenn ihr, das Deutsche um einen weiteren Begriff beraubend, "Peking" durch "Beijing" ersetzt. Warum denn? Hier sagen sie ja auch weiterhin Bólín [地] zu unserer Jing. ![]() Hier ist sie! Dringend sei euch noch geraten, euch vorab ein paar grundlegende Sprachkenntnisse anzueignen, damit ihr auch wirklich einen Kaffee oder eine leckere Pekingente (Běijīng kǎoyā) bestellen könnt. Aber tröstet euch, auch chinesische Reisende müssen ja ihr Englisch ein wenig aufpolieren, wenn sie nach Deutschland kommen, und glaubt mir, das fällt ihnen nicht immer ganz leicht, denn sie haben eben solche Probleme mit der Aussprache wie ihr und sind mindestens genauso schüchtern. Geben wir es doch ruhig zu, ganz so polyglott sind wir alle noch nicht. Viel Spaß bei der Urlaubsplanung wünscht euch nun eure etwas überarbeitete Reiseführerin. ![]() Wer kennt sie nicht? Die Verbotene Stadt, die wir nicht besuchten ... link (0 Kommentare) ... comment ... older stories
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Letzte Aktualisierung: 2015.08.12, 02:06 status
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