Einmal Shanghai und zurück
Dienstag, 16. Dezember 2014
Vorweihnachtliche Flashbacks
Es ist doch nicht zu fassen, kaum habe ich meine sommerlichen Sachen im hinteren Teil des Kleiderschrankes verstaut und die Klimaanlage von der Kühl- auf die Heizfunktion umgestellt, schon steht Weihnachten vor der Tür! Und als ich da endlich wieder den Kopf ein wenig frei habe, treibt es mir die Schamesröte ins Gesicht, dass ich diesen Blog und damit euch seit über einem Monat so vernachlässigt habe. Aber keine Sorge, meine Erlebnisse in den letzten Wochen halten sich dank der wie immer zeitintensiven Schularbeit sehr in Grenzen und sind in wenigen Zeilen zusammengefasst. Lest nun, was ich an Außerschulischem erlebt habe!

Zunächst einmal ist der Versuch zu nennen, in einem Workshop (an der DSS, bitte verzeiht) zu kalligraphieren. Natürlich ist das Ganze leichter gesagt als getan, denn zunächst einmal muss der Lehrling sich für eine von vier verschiedenen Stilrichtungen der chinesischen Schrift entscheiden, die da wären: die kleine Siegelschrift (erste vereinheitlichte Schrift), die Kanzleischrift (Qin-Dynastie), die Normalschrift (Han-Dynastie) und die Kursiv- oder Grasschrift, die besonders den Kalligraphen viel Freude bereitet (nicht so sehr dagegen ihren untalentierten Schülern, die sich gerne mit der Normalschrift, die ja auch viel leichter zu lesen ist, zufrieden geben). Selbstverständlich ist in allen Schriftarten die Reihenfolge der Striche genau festgelegt.

Kolja, unser Master
Kolja, unser unglaublich talentierter Lehrmeister


Das Zeichen für die Ewigkeit

Sehr bezeichnend finde ich es dann, dass das Zeichen mit den meisten Strichen, 57, um genau zu sein, für ein Nudelgericht aus der Provinz Shaanxi steht (biang) und eine ganze Geschichte mit den verschiedenen Fleischzeichen erzählt. Die Nudeln haben es ganz bestimmt verdient, denn sie sind einfach köstlich und sehen ziemlich lustig aus, denn sie sind ähnlich breit wie das komplexe Zeichen. Aber Vorsicht, liebe Vegetarier, ihr lasst lieber die Finger davon, es sei denn, ihr möchtet auf einmal eure ganzen guten Vorsätze in den Sand setzen und von zehn Tieren gleichzeitig probieren!

Es wird euch nun vermutlich nicht verwundern, dass auch mein zweites Highlight mit Essen zu tun hatte, denn Lena nahm sich die Zeit, mich und Vincent passend zur Saison im Krebsessen zu unterrichten. Dass auch dies kein leichtes Unterfangen war, lag in dem Fall dann wohl weniger an dem Talent der Schüler als an der Komplexität des Krebspanzers, der mit gesondertem Besteck, eine Zange beinhaltend, bezwungen werden muss. Etwas enttäuscht war die versierte Lehrerin dann, als ihre Schüler nach einem Krebs bereits angaben, satt zu sein, denn die Beilagen hatten während der halbstündigen Prozedur bereits ihre Mägen gefüllt. Dabei hatten sie durchaus viel Spaß gehabt!


So verschnürt kann man zur Saison die Krebse auf der Straße kaufen



Neben diversen anderen Gaumenfreuden ist mir zuletzt noch der Besuch eines Shanghaier Weihnachtsmarktes in Erinnerung. Dass die Menschen hier auf Kitsch jeglicher Art stehen, ist ja nicht nur ein Gerücht, und so erfreuen sich am Wochenende die deutschen Glitzerbuden eines solchen Zustroms, dass man für eine Bratwurst (ohne Brötchen, denn dafür kann man ja eine zweite und dritte Wurst essen) eine einstündige Wartezeit einplanen sollte. Aber Kinder aufgepasst, denn die Massen an Clowns, die euch hier erwarten, erinnern mehr an einen Horrorfilm als einen Zirkus, also guckt sie euch lieber nicht ganz genau an! Auch der Karnevalsumzug durfte natürlich auf dem Weihnachtsmarkt nicht fehlen, und so zog ich zwar mit leerem Magen, aber eine Erfahrung reicher wieder von dannen, ab unter die wärmende Klimaanlage in meiner ruhigen und kuscheligen Wohnung.

Wie freue ich mich jetzt, schon bald bei 30 Grad durch Kambodscha zu pilgern und den nächsten längeren Reisebericht vorzubereiten! So lange wünsche ich euch besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch! Bis nächstes Jahr!

Auf dem Weihnachtsmarkt mit Andra

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Letzte Aktualisierung: 2015.08.12, 02:06
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