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Samstag, 1. März 2014
Man nennt es auch Versuch und Irrtum
china girl, 17:41h
Da ihr mich letzte Woche so großzügig mit Kommentaren bedacht habt, hatte ich eigentlich einen ganz anderen, selbstverständlich in Listen verfassten Eintrag für diese Woche im Sinn, unter den gegebenen Umständen muss ich euch allerdings ganz egoistisch einfach mein Leid klagen. Denn wie die Handwerker an der DSS diese Woche etwa vier Stunden brauchten, um ein riesiges Schild mit der Aufschrift "Schulgelände" auf dem Schulgelände zu positionieren, wohl um unsere Chancen auf den Titel "Exzellente Deutsche Auslandsschule" um ein Vielfaches zu erhöhen, scheine ich bei meinen Bemühungen um eine sinnvolle Freizeitgestaltung immer wieder auf Granit zu beißen. Dass es um meinen Chinesischkurs geht, habt ihr vielleicht schon erraten. Das Fazit ebenfalls. Es folgen nun die exklusiven Ausführungen für die besonders ausdauernden Fans dieses Blogs.
![]() Mein Bild der Woche - mein Lieblingswolkenkratzer der Pearl Tower im Nebel An meiner ersten Chinesischprobestunde nahm ich vor sechs Monaten teil. Ich hatte über einen Arbeitskollegen von Vincent gerade Jenny kennengelernt, die Besitzerin einer kleinen Sprachschule in meiner Nähe ist. Die geschätzten 17 Ausgänge am Bahnhof Xujiahui und verwirrende Beschreibung des Fußweges durch Hochhausschluchten ohne Straßennamen waren Schuld daran, dass ich mit 20 Minuten Verspätung schweißgebadet zum Unterricht erschien. Von der Lehrerin und der einzigen anderen Schülerin wurde ich nichtsdestotrotz herzlich empfangen. Wir übten fleißig, lernten uns kennen, indem wir, so weit auf Chinesisch möglich, unsere Lebensgeschichten miteinander teilten, und schafften es sogar, den einen oder anderen Witz einzubauen. Als ich nur wenig später erfuhr, dass die andere Teilnehmerin an fünf Tagen in der Woche den Kurs besuchte, überlegte ich kurz, wie ich es möglich machen könnte, trotz meines Vollzeitjobs auch täglich die Sprachschule zu frequentieren. Enttäuscht kam ich zu dem Schluss, dass selbst die hier gängigen Zwei-Mal-Pro-Woche-Besuche der Schule für mich nur sehr schwer realisierbar sind, wenngleich sie den chinesischen Mindestanforderungen an Sprachenlerner entsprechen. Ausprobiert habe ich es noch nicht, denn seitdem warte ich auf den Beginn eines anderen, ansatzweise passenden Kurses. Etwas ungeduldiger als ich ist Lena, die sich mir irgendwann aus Mitleid sogar als private Lehrerin anbot. Da ich schon an der Effektivität unseres Tandems zweifelte, weil ihre Lehrmethode darin zu bestehen schien, mich komplizierte Sätze aufschreiben zu lassen und jedes einzelne Wort weitläufig zu erklären, ich aber noch immer keine Gespräche im Kiosk in meinem Haus zu führen vermochte, konnte ich ihren Vorschlag mit dem für mich immer noch wichtigen Argument, dass ich Gruppenunterricht bevorzugte, abwehren. Der Warterei müde empfahl sie nun nach einem halben Jahr die Schule eines Freundes, an der ich gestern zu einer Probestunde eingeladen war. Als ich entspannt um viertel nach sechs statt um halb sieben in der Sprachschule eintraf, wurde ich dort etwas verwirrt mit den Worten, ich sei ja viel zu früh, begrüßt. (Es scheint hier dahingegen niemandem etwas auszumachen, wenn man zu spät kommt.) Das Improvisationstalent Cathys, einer Lehrerin an der Schule, die anscheinend nicht mit mir gerechnet hatte, vor allem nicht zu dieser Uhrzeit, war zwar verbesserungswürdig, mit ihrer Art aber gewann sie schnell meine Sympathie, denn nach einem kurzen Test meiner Sprachfähigkeiten teilte sie mir mit, dass sie Lehrer liebe, da sie zwar schlecht bezahlt, aber in der Gesellschaft überaus respektiert seien, und ich keine Anfängerin mehr, sondern ein "Intermediate Student" sei - und das, obwohl ich nach den ersten drei gewechselten Sätzen ins Schwitzen geriet und auf mein alltägliches "äh, grrrh, oah" zurückgriff. (Dass deutsche Lehrer lange nicht so schlecht bezahlt sind wie chinesische, ihnen dafür aber weitaus weniger Respekt entgegengebracht wird, verschwieg ich ihr, schließlich gefiel ich mir in meiner neuen Rolle.) An ihrer Erklärung, weshalb der mir versprochene Gruppenunterricht dann doch nicht stattfinde, sollte sie allerdings noch arbeiten. Wie aus dem Nichts kam es, dass sie mir dann doch meinen potentiellen Lehrer vorstellte, der mich optisch mit seinem exzentrischen Anzug und der imitierten Ralph Lauren-Tasche zwar beeindruckte, im Gespräch von seinen Fähigkeiten als Lehrer aber nicht unbedingt überzeugte - nennt mich arrogant, aber Blickkontakt gehört irgendwie dazu. Auch das Neonlicht im vier Quadratmeter großen Zimmer und die anscheinend fehlenden Mitschüler waren nicht gerade vielversprechend. Am Ende schlug mir Cathy vor, freie Übungsstunden für mich zu organisieren, was nicht viel mehr heißt, als dass ich neue Tandempartner jetzt nicht mehr nur über das Internet, sondern auch über die Schule finden kann. Sehr nett von ihr. Heute klingelte um zwei Uhr dann auch prompt mein Telefon, und mir wurde mitgeteilt, dass meine Tandempartnerin nun in der Schule auf mich warte. Anscheinend fehlt mir zum Chinesischlernen nicht nur der Kurs, sondern auch die nötige Spontanität. Vielleicht sollte ich in Zukunft ein wenig härtere Maßnahmen ergreifen und wie die Handwerker einfach den Eisenfuß des Schildes auf der einen Seite ein Stück absägen. Hätte ich das richtige Werkzeug dazu, glaubt mir, ich täte es. Wie auch immer, diese Woche meldete sich wieder einmal Jenny mit der Nachricht bei mir, dass in zwei Wochen ein neuer Gruppenkurs beginnen werde. Drückt mir also die Daumen, dass ich es in naher Zukunft vielleicht doch noch schaffe, einen Ausgleich für die überambitionierte Schularbeit zu finden! Euch wünsche ich einen exzellenten Start in die nächste Woche! ... link (3 Kommentare) ... comment ... older stories
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