| Einmal Shanghai und zurück |
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Samstag, 22. Februar 2014
Verrückt, ...
china girl, 17:50h
... dass ich in dieser Woche den ersten Irren in der U-Bahn traf. Er aß Nüsse aus einer Plastiktüte, die er von Zeit zu Zeit nervös zusammenknüllte, die Hälfte des Inhalts in der Bahn verstreuend, dabei aufgewühlt vom einen ins andere Abteil pesend, sich zwischen die sich schließenden U-Bahn-Türen werfend und bei geschlossenem Zustand geräuschvoll dagegen tretend, schließlich das Verpackungsmaterial auf dem Boden entsorgend. Mich, die, ein Buch lesend, neben der Tür stand, nahm er glücklicherweise als letzte verbleibende menschliche Zielscheibe nicht wahr.
... wie erfolgreich dieses Land alle Behinderten und Geisteskranken wegzusperren scheint, und es mir erst jetzt absonderlich vorkommt, dass die vielen Shanghaier alle so "normal" sind. ![]() ... dass es so schwer für mich ist, die wahren Motive der Menschen hier zu durchschauen. So musste ich zum Beispiel am Freitag schweren Herzens Jane, eine meiner wenigen chinesischen Freundinnen, verabschieden, weil sie ein Jobangebot aus Singapur hat, ohne herausgefunden zu haben, warum sie dort hingeht und dafür sogar ihre liebenswerte Familie vorerst hier zurücklässt. ... dass ich langsam aber sicher immer mehr zum typischen Expat mutiere. Diese Aspekte unterscheiden mich noch von den vielen Ausländern hier: - mein Einkommen, denn im Vergleich mit manch anderen Gehältern bin ich hoffnungslos unterbezahlt, - die Restaurants und Cafés, in die ich gehe, denn ich vermeide die ach so beliebten Franchise-Unternehmen, deren Namen mir zum größten Teil nicht einmal einfallen, - die Transportmittel, die ich nutze, denn ich habe weder meinen eigenen Chauffeur, noch dient mir seit meinem Ausschluss aus der Fahrgemeinschaft das Taxi für meinen Schulweg, - meine Bemühungen, Chinesisch zu lernen, auch wenn ich keine richtigen Fortschritte mache, - mein Desinteresse an Apple-Geräten aus Hongkong, überteuerten Fitnessstudios sowie Pediküre und Maniküre, obwohl ich sie besonders nötig hätte, - mein fortbestehendes Interesse an Büchern, auch wenn dies zu einer Rückgratverkrümmung führen wird, - meine Zwangsneurose, was Recycling von Abfall betrifft, - mein Glaube an die Gleichberechtigung von Mann und Frau, obgleich dies bedeutet, dass auch Frauen arbeiten müssen und die Stellen von CEOs innehaben können, - das Bedürfnis, mich von den Expats abzugrenzen, ohne wirklich anders zu sein. ... dass mich dies (oder gerade das) alles den Chinesen nicht viel näher bringt. ... dass ich jetzt wie der Protagonist aus dem Roman "Naiv. Super" Listen schreibe. Hoffentlich ist das kein Zeichen dafür, dass ich wie er eigentlich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens bin und wirklich zu viel grübele. --- Wahrscheinlich aber lese ich im Moment einfach zu viel, also macht euch keine Sorgen, sondern genießt ganz einfach naiv das super Wochenende! Bis sehr bald! ... link (7 Kommentare) ... comment ... older stories
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Letzte Aktualisierung: 2015.08.12, 02:06 status
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